Verein für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde

Jahresbericht 2011

Die Mitglieder des Vereins und interessierte Gäste konnten auch im Jahre 2011 satzungsgemäß zu einer Reihe von Vorträgen, Führungen und sonstigen Veranstaltungen eingeladen werden:

20. Januar
Vortrag von Herrn Studiendirektor a.D. Günter Meyer, Bad Malente-Gremsmühlen, über "Schiffsabfertigung und Hafenbetrieb in Lübeck um 1830/40".

24. Februar
Herr Dr. Magnus Ressel, Bochum, berichtete aus dem Umfeld seiner Dissertation über "Der Gefangenenfreikauf Lübecker Sklaven und die Lübecker Sklavenkasse 1580-1650" (voran ging die Jahresmitgliederversammlung des Vereins).

7. März
Herr Prof. Dr. Peter Oestmann, Münster, sprach über das Thema "Schmuggelei zwischen Lübeck und Rußland im 19. Jahrhundert. Ein Rechtsstreit vor dem Oberappellationsgericht".

22. März
Im Rahmen der Dienstagsvorträge der Gemeinnützigen veranschaulichte Herr Prof. Dr. Manfred Gläser die "Forschungen und Ergebnisse der Archäologie in Lübeck 2009/10"

4. Mai
Unter Leitung von Herrn Albrecht Schreiber fand eine fachkundige "Führung über den jüdischen Friedhof Moisling" statt.

11. Mai
Im Rahmen der Freigabe des Internetauftritts des Münzbestandes des Archivs der Hansestadt Lübeck führte Herr Dr. Dieter Dummler sachkundig und launig in das Thema "Das Geld und die Zeit" ein.

14. Mai
Herrn Studiendirektor a.D. Günter Meyer, Bad Malente-Gremsmühlen, führte in Verbindung mit Herrn Andreas Roxin durch den Papierhafen Schlutup sowie durch das Fischerdorf Gothmund.

9. Juni
Im Rahmen des vom Archiv der Hansestadt Lübeck organisierten "Abends der Stifter" berichteten die Restauratorinnen des Archivs, Antje Stubenrauch und Bettina Hagemann, unter dem Titel "Warum beim Schoß nicht geschossen und bei der Wette nicht gewettet wurde!" über die Fortschritte bei der Restaurierung wichtiger Quellenbestände des Hauses, die durch die Rudolf-Dankwardt-Stiftung, die "Johann Friedrich Hach-Stiftung" und die "Jürgen Wessel-Stiftung" finanziell ermöglicht wurden.

13. Juni
Es bestand durch das freundliche Entgegenkommen von Herrn Pastor Thorsten Jessen die Möglichkeit für die Vereinsmitglieder, an dem Vortrag von Herrn Prof. Dr. Wolfgang Prange, Schleswig, über "Das Lübecker Domkapitel" in der Kirche St. Georg zu Genin teilzunehmen.

16. Juni
Herr Dr. Michael Scheftel führte fachkundig durch das Kranen-Konvent, das momentan umfassend restauriert wird.

11. September
Herr Dr. Michael Hundt sprach im Rahmen des Tages des offenen Denkmals über "Lübeck um 1800. Zwischen Aufklärung und Restauration", wozu auch seitens des Vereins eingeladen wurde.

12. Oktober
Frau Dr. Brigitte Templin führte durch die Ausstellung "»Welten entdecken«. Werke aus der Völkerkundesammlung der Hansestadt Lübeck" in der Kunsthalle des St. Annen-Museums.

22. November
Herr Dr. Jan Lokers sprach im Rahmen der Dienstagsvorträge der Gemeinnützigen über "»Men bedervet erer ok nicht«? Juden in Lübeck und den Hansestädten vom Mittelalter bis ins 16. Jahrhundert".

2. Dezember
Herr Dr. Jürgen Beyer, Tartu (Dorpat), führte zu den "Wand- und Kronleuchtern im Dom zu Lübeck"; diese Führung fand in Verbindung mit Frau Pastor Margrit Wegner und der Domgemeinde statt.

Der im Rahmen der "Litterärischen Gespräche" von der Bücherei der Gemeinnützigen und auch von unserem Verein für den 28. April angekündigte Vortrag von Herrn Prof. Dr. Franklin Kopitzsch, Hamburg, "Biographie und Geschichte: Annäherungen, Rekonstruktionen, Konstruktionen" mußte krankheitshalber leider ausfallen.

Daneben bestand für die Mitglieder des Vereins auch im Jahr 2011 wieder die Gelegenheit, an Veranstaltungen weiterer befreundeter Einrichtungen teilzunehmen. Zum einen waren dies die von Herrn Prof. Dr. Hammel-Kiesow organisierten Vortragszyklen 2010/11 und 2011 der Ausstellung "Pfeffer und Tuch, für Mark und Dukaten. Waren und Geld des Hansekaufmanns im Spiegel des großen Lübecker Münzschatzes" im Burgkloster; diese Vortragszyklen endeten im Dezember 2011 auf unbestimmte Zeit wegen der Schließung des Burgklosters im Rahmen der vorbereitenden Arbeiten für das europäische Hansemuseum. Zum anderen handelte es sich um die vielfältigen Veranstaltungen, die das Archiv der Hansestadt Lübeck zwischen dem 14. und 25. November 2011 anläßlich des 50jährigen Jubiläums des Bezuges des Archivgebäudes am Mühlendamm anbot. Beiden Veranstaltern und Institutionen sei an dieser Stelle für die seit Jahren bestehende hervorragende Kooperation mit unserem Verein herzlich gedankt.
Statt des in den vergangenen Jahren veranstalteten Schnäppchenmarktes wurden den Vereinsmitgliedern im August 2011 anläßlich des 190jährigen Bestehens des Vereins zahlreiche ältere Zeitschriftenbände, Mitteilungen und Einzelbuchtitel auf dem Versandwege zu günstigen Preisen zur schriftlichen Bestellung angeboten.

Band 91 (2011) der Zeitschrift des Vereins wurde im Berichtsjahr ganz ungewöhnlich früh, schon Anfang November, ausgeliefert. Er enthält auf über 470 Seiten zwölf Beiträge und drei kleine Beiträge, die wieder einen weiten zeitlichen wie inhaltlichen Bogen vom Mittelalter bis in die Zeitgeschichte und von der Kultur- bis zur Rechtsgeschichte schlagen. Abgerundet wird der Band durch den Jahresbericht der Lübecker Archäologie, ein Mitgliederverzeichnis des Vereins sowie die traditionellen Besprechungen und Hinweise zur neuen Lübeck-Literatur. Auch dieser Band konnte nur mit finanzieller Unterstützung der Possehl-Stiftung, der Jürgen Wessel-Stiftung, der Dietrich-Szameit-Stiftung zur Erforschung der Geschichte der Hansestadt Lübeck, der Reinhold-Jarchow-Stiftung, der Gemeinnützigen Sparkassenstiftung zu Lübeck und der Hansestadt Lübeck realisiert werden. Ihnen allen gilt der Dank des Vereins, ebenso wie denjenigen Vereinsmitgliedern, die den Verein mit Spenden bedachten oder den Jahresbeitrag etwas großzügiger ausfallen ließen. Nicht weniger gedankt sei all denjenigen, die bei den Vereinsveranstaltungen auf ein Honorar verzichteten. Nur auf diese Weise ist es möglich, die satzungsgemäßen Ziele des Vereins zu verwirklichen.

Im Berichtszeitraum erschienen ferner die Neuauflage des von Frau Prof. Dr. Antjekathrin Graßmann herausgegebenen und vom Verein mit finanzierten "Lübeck-Lexikons", nun unter dem Titel "Das neue Lübeck-Lexikon. Die Hansestadt von A-Z", sowie der von Frau Prof. Dr. Antjekathrin Graßmann und Herrn Andreas Kurschat M.A. herausgegebene und ebenfalls von Verein finanziell mit unterstützte Sammelband "Suchet der Stadt Bestes. Neun Jahrhunderte Staat und Kirche in der Hansestadt Lübeck", mit 16 teilweise neu bearbeiteten Aufsätzen des im Jahre 2010 verstorbenen Kirchenhistorikers Prof. Dr. Wolf-Dieter Hauschild.

Im Dezember ist schließlich auch noch Band 13 des "Biographischen Lexikons für Schleswig-Holstein und Lübeck" erschienen, dessen Mitherausgeber der Verein für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde ist. Leider wird es sich um den letzten Band dieses Lexikons handeln, eine Fortsetzung ist nicht vorgesehen. Dafür ist geplant, den Inhalt aller 13 Bände zeitnah im Internet zugänglich zu machen.

In das Jahr 2012 geht der Verein mit 359 Mitgliedern. 16 Eintritten stehen acht Austritte und drei Todesfälle gegenüber.

Zugleich ist das Jahr 2011 gekennzeichnet gewesen durch das Ende einer Ära: Frau Prof. Dr. Antjekathrin Graßmann, die dem Verein seit 1978 vorstand, konnte satzungsgemäß mit Ablauf ihrer Amtsperiode nicht mehr für den Vorstand kandidieren. Auf der Mitgliederversammlung am 24. Februar wurde daher der Unterzeichner dieses Berichts zum neuen Vorsitzenden des Vereins gewählt; Frau Dr. Hunecke sowie die Herren Prof. Dr. Gläser und Prof. Dr. Hammel-Kiesow, deren Amtszeit abgelaufen war, wurden erneut für drei Jahre in den Vorstand gewählt.

Frau Professor Graßmann hat in ihrer Amtszeit den Verein ganz wesentlich geprägt. Unter ihrem Vorsitz stieg die Zahl der Vereinsmitglieder um rund 50 Prozent an, sie konnte jedes Jahr zu mehr als einem Dutzend Veranstaltungen einladen - auch die ersten vier Veranstaltungen dieses Jahres wurden noch von ihr geplant und vorbereitet - und entwickelte die Zeitschrift von einem schmalen Bändchen zu einem wahren Jahrbuch. In Würdigung dieser ganz außergewöhnlichen Verdienste hat der Vorstand Frau Professor Graßmann zur Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt. Auf der Mitgliederversammlung wurde ihr, nach einer Würdigung ihrer Verdienste, unter stehendem Applaus der anwesenden Vereinsmitglieder die Ehrenurkunde überreicht. Zugleich bleibt Frau Professor Graßmann, wie sie selbst bereits im letzten Jahresbericht an dieser Stelle ausführte, dem Verein auch weiterhin aufs engste verbunden, indem sie dankenswerterweise zunächst weiter die Zeitschrift unseres Vereins herausgeben wird.

Lübeck, den 31. Dezember 2011 Dr. Michael Hundt